Gamsjagd in den Alpen

Wenn man an die Bergjagd denkt, hat man Frankreich nicht unbedingt auf dem Zettel. Völlig zu unrecht. Keine 80 Kilometer südlich des Genfer Sees liegt nämlich der Parc Naturel Regional du Massif des Bauges, ein 5.200 Hektar großes Jagd- und Wildtierschutzreservat mit außerordentlichem Wildreichtum.

JÄGER-Redakteurin Dr. Nina Krüger berichtet von ihren Erlebnissen in der Nähe des Montblanc-Massivs.

Der bergerprobte Franzose zog mich voran in eine sichere Schussposition. Diesmal schwankte der Boden nicht wie in Hitchcocks Vertigo. Ein Schritt noch, dann stand die Geiß frei und breit. Im hallenden Schussknall sah ich vier Stücke abspringen. Mein Herz sank. Krank? Gefehlt? Doch Jean-Baptiste jubelte irgendwo hinter uns. Er hatte die beschossene Gams zusammenbrechen sehen, ein fünftes Stück musste unterhalb der Gruppe von einem Busch verdeckt gesessen haben. Thierry grinste und klopfte mir auf die Schulter, mir klapperten die Zähne in den Nachwehen des Jagdfiebers.

Nirgends trifft der Spruch „Der Weg ist das Ziel“ mehr zu als auf der Bergpirsch. Denn sie ist nicht nur physisch eine echte Herausforderung. Es gibt keine Sprache, die Worte dafür hätte, was ein Jägerherz wirklich bewegt. Kaum je habe ich mich aber mehr mit dem Jägerhandwerk und dem Privileg verbunden gefühlt, von dem alten Wissen zu profitieren, das ein Teil unserer Evolution ist. Denn noch eines lehrt einen die Bergjagd: Demut und Respekt.

Foto: pixabay / Bericht aus Jägermagazin

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