Schwarzwild

Von den zehn Schalenwild-Arten, die wir  in Deutschland kennen, ist das Schwarzwild die einzige nicht wiederkäuende Wildart. Neben dem Rehwild ist es nach dem Gesamtwildbretaufkommen hierzulande mit einem Anteil von 40 Prozent die Haupt-Wildart.

Deutschland ist das schwarzwildreichste Land in Europa.  Die durchschnittliche Schwarzwild-Strecke umfaßt bei uns jährlich etwa 250.000 Stücke. Wildschwein gilt als Bereicherung in der Feinschmeckerküche.

Zugleich ist das Schwarzwild der Hauptverursacher teils hoher Wildschäden in der Landwirtschaft. Schäden im Wald stören den Förster weniger – bis auf Schäden in Forstsaatkulturen. Sonst aber beliebt als »Schädlingsvertilger« (Mäuse, Kerfe, Larven, Schnecken, Würmer) und wegen seiner »Wühltätigkeit«. Beim Brechen nach Nahrung im Boden, was die Luftzirkulation fördert, wird der Boden wund gemacht für die Waldverjüngung durch Aufschlag und Anflug.

Dagegen verursacht Schwarzwild in landwirtschaftlichen Kulturen erhebliche ersatzpflichtige Wildschäden, besonders auf frisch bestellten Maisäckern sowie in Kartoffel- und Getreide-Schlägen. Tagsüber lebt Schwarzwild vorwiegend im Wald, dabei bevorzugt es feuchte Dickungen, auch Schilf- und Bruchflächen, verbringt allerdings während der Vegetationsperiode – bei ausreichender Deckung – lange Zeit in großen Getreide- und Maisflächen.

Allesfresser

Schwarzwild ernährt sich als  »Allesfresser« von pflanzlicher und tierischer Nahrung, auch Aas wird nicht verschmäht. Aus diesem Grund ist von jedem Stück erlegtem Schwarzwild eine Trichinenuntersuchung Pflicht. Wo sich Wildschwein-Bestände stark vermehren, können örtlich gefährliche Krankheiten verbreitet werden. Dort wo die seuchenartig auftretende Schweinepest ausbricht, sind auch Hausschwein-Bestände bedroht.

Jagd auf Sauen

Dass Schwarzwild intensiv bejagt werden muss, damit die Bestände besonders nach reicher Herbstmast oder milden Wintern nicht explodieren, ist nicht nur unter Jägern und Landwirten anerkannt. Frischlinge und Überläufer haben deshalb in der Mehrzahl der Bundesländer keine Schonzeit.

Die Jagd auf Schwarzwild ist sehr vielseitig und zählt mit zu den reizvollsten Jagdarten.  Die Ansitzjagd an Kirrungen ist weit verbreitet. Der Jäger kann hier bei waidgerechter Jagdausübung erfolgreich Frischlinge und Überläufer. Auch starke Keiler werden hier erlegt.  Führende Bachen werden unbedingt geschont.

Die Sinnesorgane des Schwarzwildes sind mit Ausnahme der Augen sehr gut entwickelt. Schwarzwild äugt schlecht. Es lebt gesellig in Rotten (Familienverbände), in denen durchaus mehrere Bachen mit ihren Frischlingen und weiblichen Überläufern zusammenleben. Männliche Überläufer werden im alter von etwa 12 Monaten aus der Rotte vertrieben und bilden nicht selten Überläufer-Rotten. Ältere Keiler leben als Einzelgänger – ausgenommen in der Rauschzeit. In der Rauschzeit stoßen sie zur Rotte und beschlagen die rauschigen Sauen. Wann die Bachen rauschig werden, legt die Leitbache fest, indem sie durch eine bestimmtes Drüsensekret die jüngeren Bachen stimuliert. Sauen halten sich immer wieder gern in Gewässernähe auf, sie brauchen zur Körperpflege Suhlen.

Schwarzwild ist äußerst wehrhaft. Kranke, angeschweißte (angeschossene) oder in die Enge getriebene Stücke nehmen auch den Menschen an. Nachsuchen sollten aus diesem Grunde stets nur mit einem erfahrenen Schweißhund und bei Tageslicht durchgeführt werden. Aus der Erfahrung sollte das wenigstens zu zweit gemacht werden.

Auch in unseren Nachbarländern hat man die Erfahrung gemacht, daß  trotz aller guten An- und Vorsätze die Schwarzwildbestände von Jahr zu Jahr  massiv zunehmen. Offenbar reicht auch dort die traditionelle Ansitzjagd an der Kirrung nicht mehr. Die Lösung könnten revierübergreifende Drückjagden sein, doch die erfordern guter Organisation vor allem erfahrene und geübte Schützen. Leider sind die fast überall so selten sind wie alte Keiler.

Beitragsfoto: pixabay

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