Bei Vollmond ’ne GrimbartSau

Zu Hause im Lesesessel fühlte ich mich an diesem Oktobertag nicht so recht behaglich – es war schließlich kurz vor Vollmond und mein Jagdkollege WhatsAppte, daß die Schwarzwildkirrung voll angenommen war.

Schnurstracks machte ich mich zum Ansitz fertig und packte meine Büchse sowie mein 8×56 Glas und machte mich auf den Weg ins Revier.

Etwas abseits vom Hochstand stellte ich das Auto ab.

Es war bereits dunkel, als ich zur Kanzel aufbaumte. Der Mond leuchtete weiße Lichtflecke auf den Waldboden. Beim ersten Abglasen der Kirrung traute ich meinen Augen nicht. Es war bereits ein Dachs da und ließ sich den Mais schmecken.

Die Distanz betrug annähernd 40 m. Die Schwarte des Grimbart glänzte hell im Mondschein. Anfangs machte der Dachs nicht den Eindruck, als würde er gleich wieder abziehen. Nach annähernd 5 Minuten bewegte er sich zu einer weiteren Kirrstelle, stand aber mit dem Hinterteil in meine Richtung. Auf jeden Fall wollte ich ready zum Schuss sein,  richtete mir eine passende Auflage ein.  Mit dem Rotpunkt verfolgte ich jede seiner Bewegungen. Da dröhnte aus dem nahen Nachbarregier ein Schuss – auf flinken Beinen verschwand der Dachs in den Brombeeren.

Ich war nicht traurig, denn irgendwann würden ja die Sauen kommen.  Ich legte meine Büchse ab und wartete. Nicht lange. Der Dachs kam zurück. Und diesmal drehte er sich breit und ich  ließ meine .243 fliegen. Durch das Mündungsfeuer geblendet, konnte ich zuerst nicht erkennen, ob ich getroffen hatte.  Einige Minuten später glaste ich die Anschussstelle ab. Da sah ich den hell glänzenden Fleck in der Kirrung.

Ich baumte sofort ab und ging mit der nachgeladenen Büchse zum Tier.  Er rührte sich nicht mehr. Bevor ich den Dachs über den Forstweg zum Auto zog, schrieb ich noch rasch eine Nachricht an die Jagdkollegen.

Holger: der Dachs war 12,5 Kilo schwer

Bild: ( Lemur12, lizensiert nach GNU FDL)

All das ist Jagd

Meyden, Gerd H.

„Die Natur ist ein Buch, das noch niemand zu Ende gelesen hat.“ In einem schönen, unterhaltsamen Stil beschreibt der langjährige Jäger und Schweißhundeführer die so unterschiedlich wie abwechslungsreich verlaufenen Begegnungen mit Weidkameraden, Pirschführern, Bauern, Jagdhunden und Wildtieren. Dabei gelingt es ihm in besonderer Weise, das „Drumherum“ der Jagd und die Stimmungen der Natur einzufangen.

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