Sauen ohne Ende

Peter schreibt mir: Der Bauer war ungehalten, die Sauen hatten einen beträchtlichen Teil seiner Wiese aufgewühlt – trotz wochenlanger Trockenheit. Ich hatte dem Jagdpächter versprochen, die Sauen gründlich zu vergrämen.
(Foto: pixabay)

Am 11. Juni, 20 Uhr. Ich sitze im geschlossenen Auto. Ein Unwetter prasselt aufs Dach. Blitz und Donner. Ich überlege, ob ich aussteigen soll. Das Gewitter war zwar angesagt, aber es hätte warten können, bis ich die Kanzel erreiche.
Das Wetter konnte günstiger kaum sein. Nach dem Regen würden die Sauen unbedingt wiederkommen. Kein Wildschwein verzichtet nach einem Sommergewitter auf den reich gedeckten Tisch. Würmer Larven, Käfer, Eiweißnahrung pur.
Blitz und Donner wollten nicht enden und so mußte ich raus. Der Poncho wird mich schützen und fürs Gewehr hatte ich zum Glück einen Mündungschutz eingesteckt.
Teufel auch, was für ein Sauwetter. Aber ich erreiche endlich den Ansitz. Der Hochsitz hat lange Verstrebungen, ich bin sicher, er hält dem Sturm stand. Jetzt beginnt es auch noch zu Hageln. Aber danach hören schlagartig Regen und Hagel auf. Es wird auch ruhiger.
Bis gegen 23 Uhr tut sich nichts. Der Mond kommt raus, aber noch jagen Wolken über den Himmel. Ich glase die Umgebung ab. Die Büsche und Hecken erscheinen im wechselhaften Licht, schemenhaft. Urplötzlich steht er auf der Wiese. Eine Sau. Aber gute Hundert Meter entfernt. Ist es wirklich ein Keiler? Ganz langsam setze ich das Fernglas an die Augen. Oder ist es doch eine Bache? Der Mond verschwindet hinter den Wolken. Im Nu sind die Umrisse verschwunden.

Um 23:40 zeichnen ein paar dunkle Batzen. Könnten Sauen sein, sind aber zu weit entfernt. Trotzdem richte ich mich ein, lege den Büchsenschaft auf das feste Kissen und glase ein ums andere Mal die Wiese über das Zielfernrohr ab. Der Mond kommt erneut zum Vorschein. Genau in dem Moment höre ich ein Quieken, und dann wird es laut. Eine ganze Schwarzkittel-Sippe ist aus dem Häuschen. Frischlinge, Überläufer, Bachen und zwei Keiler machen sich über die Wiese her. Wild fliegen Soden durcheinander. Ich versuche mich auf einen der beiden Keiler zu konzentrieren. Der größte hat es mir angetan.

Einmal steht er breit. Der Rotpunkt sitzt. Ich lasse die 308 fliegen. Die Rotte flüchtet der Bache nach. Der Keiler liegt im Knall. Ich warte. Nach gut 1o Minuten Baume ich ab. Noch einmal lade ich die Büchse durch. Es wäre nicht nötig gewesen. Auch die Rotte ist wie vom Erdboden verschluckt.

Sobald wird die Wiese nicht mehr umgepflügt.

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