Die aufregenden ersten Augustwochen

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum blatten? Will ich einen möglichst älteren Bock anlocken, braucht es einiges Geschick.

Zur Blattjagd ahmt der Jäger die Brunftlaute des weiblichen Rehwildes nach und hofft damit einen suchenden Bock anzulocken. Zum Blatten eignen sich diverse natürliche Hilfen oder auch künstliche Instrumente aus dem Fachhandel. Mittels dünnrippiger Buchenblätter oder breiten Gräsern, die zwischen beide Daumen gespannt werden, kann man gut einen Fiepton erzeugen. Leichter geht es mit einem Mundpfeifchen, das der Jäger auch benutzen kann, wenn er einen Bock zum Verhoffen bringen möchte, um zu einer besseren Schussposition zu kommen.

Warme und schwüle Tage bieten günstige Voraussetzungen für die Blattjagd sind Witterung, aber auch eine kühle Nacht mit Taubildung.
Wer blatten will, sollte nicht den Hochsitz besteigen. Böcke wissen, daß Geißen nicht auf Baumkronen sitzen. Von ebener Erde mit Schirm und Sitzstock ist man besser gerüstet. Der Jäger sollte sich gut tarnen.

Die besten Blatt-Tage
Die ersten beiden Augustwochen versprechen die besten Aussichten. Erfolgreiche Blatt-Jäger nutzen die Zeit vom aufgehenden Sonnenlicht bis in die einbrechende Dämmerung. Regen ist nicht vom Übel, weil dann weniger Spaziergänger unterwegs sind. Bei Regen herrscht Ruhe im Wald.
Der Bockjäger wird also ab Anfang August mit weniger schlaf auskommen müssen. In diesen Tagen geht die Sonne gegen 5.40 Uhr auf und erst nach  21 Uhr unter. Da verbleiben dem Waidmann nicht mehr als 5 Stunden Schlaf über 10 Nächte am Stück.

Rehwild-Ansprechfibel
Es gibt wohl kaum einen Jäger, der nicht Jahr für Jahr mit Leidenschaft auf Bock, Geiß und Kitz jagt. Dennoch scheiden sich die jagdlichen Geister immer wieder, wenn es ums Ansprechen geht: Was sagt der Muffelfleck wirklich aus? Verraten ein graues Haupt oder Dachrosen tatsächlich den alten Bock? Was zählt beim Jährling mehr: Geweih oder Körpergewicht? Wie unterscheidet man sicher die Schmalgeiß von der führenden Geiß? Und genügen die abgeschliffenen Backenzähne, um auf das Alter zu schließen, oder gibt es vielleicht noch andere aussagekräftige Merkmale?

Die beste Tageszeit
Spät am Vormittag bis in den zeitigen Nachmittag hinein ist der ideale Zeitpunkt. Die Zeit zwischen 11 und 14 Uhr ist ideal. Suchende Rehböcke sind dann am häufigsten unterwegs. „Mittags im Walde ist´s richtig“ verraten alte Jägerhasen.  Übrigens gerade die begehrten älteren Böcke lieben den schattigen und übersichtlichen mittelalten Wald.
Stangenholz erlaubt Deckung und Sicht. Der Blattjäger wird einen solchen Tipp nicht ablehnen.

Das passende Wetter
Eine anhaltende Schönwetterlage mit großer Hitze beeinflusst das Brunftgeschehen negativ. Dem Jäger bleibt dann noch die Nacht.  Sobald das Barometer nach einer Schlechtwetterlage wieder steigt, ist Blattzeit, von der ein Jäger träumt. Sobald der Regen vorbei ist und Wind mit niedrigen Temperaturen weht, gibt es vielversprechende Blattjagdtage. Allerdings verhindert Wind, das die Locktöne gut und weit vernehmbar sind.

Traumböcke
Der Tiroler Jägermeister Otto Gitterle kann mit Recht stolz sein: Das Rehwild in seinem Jagdrevier Kaunertal sucht in den Alpen seinesgleichen. Grund dafür ist die konsequente und kontinuierliche Hege des Rehwildes in diesem abgeschlossenen Gebirgstal – seit über zwanzig Jahren.

Der Autor lüftet in diesem reich illustrierten Band die Geheimnisse seines Hegeerfolges und gibt Einblick in die jagdliche Praxis des gesamten Bezirkes Landeck im Westen Tirols.

Wieviel Böcke und Geißen
Jäger sind oft schuld, wenn die Geschlechterverhältnisse stark zu Gunsten von Schmalrehen und Geißen verschoben sind. Dann können  auf einen 3-jährigen oder älteren Bock schon mal 5 bis 6 Geißen kommen. Der Fehler liegt im zurückliegenden Jahr. Wer immer nur auf Böcke anlegt und die Geißen schont, wird zur Blattzeit wenig reife Böcke zur Strecke bringen. Warum? Weil die alten Herren schon vor dem August völlig abgekämpft sind.

Richtig Blatten
Wenn die Böcke über das Angstgeschrei der Geiß angelockt werden sollen, dann sollte der Blattjäger mit seiner „Musik“ nicht geizen. Vielversprechender ist der Kitzfiep, um die Ricke zu locken. Man läßt 4 bis 6 Mal zarte Töne erklingen und wartet ca. 10-Minuten, und das Spiel zu wiederholen. Mit dieser „zarteren“ Methode gibt´s den größeren Erfolg.

Tarnung
Erste Regel: Nerven bewahren und das Zielfernroh benutzen, nicht das Fernglas. Wer bei geringer Distanz erst Glas und Waffe wechseln muß, könnte den Bock verprellen. Ich hocke auf einem Sitzstock und habe die Waffe quer auf den Knien. Mit dem Mundblatter bleiben die Hände frei. Tarnanzug und Sichtschutz sind wichtig und der Wind sollte stimmen. Zu guter Letzt unbedingt an das Schussfeld denken und ausreichend Kugelfang. Auf dem Sitzstock könnte es sonst im Zweifel kritisch werden.

Waidmannsheil!

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