Herbstzeitlose – enthält das Zellgift Colchicin

Die schöne Blüte der Herbstzeitlose kann vergessen lassen, daß die Zwiebelblume eine der giftigsten einheimischen Grünlandpflanzen ist. Ihr Verzehr kann tödlich sein – für Mensch und Tier.
Ob die ungewöhnliche Blütezeit von August bis November der krokusähnlichen Zwiebelblume ihren Namen verlieh, ist umstritten. Der deutsche Trivialname Herbstzeitlose rührt daher, daß die Pflanze im Herbst bis in den November hinein blüht und daher den Beginn der Herbstzeit „lost“ (ahd. liozan ‚losen / wahrsagen / vorhersagen‘). Nach der Blüte und der Befruchtung im Herbst zieht sich die Pflanze in den Boden zurück. Dort überwintert sie. Aus der alten Knolle, die später abstirbt, bildet sich eine neue Knolle.
Die Herbstzeitlose wird 8 bis 30 Zentimetern groß. Der Geophyt (was aussagt, daß die Pflanzenteile, die ungünstige Jahreszeit überdauern, unterirdisch liegen. Während des Winters wird die ursprüngliche Sproßknolle abgebaut und darüber eine neue angelegt. Gleichzeitig wächst der Seitensproß zu einer neuen Knolle heran.
Im Frühjahr schiebt die Pflanze ihre dunkelgrünen, etwas dickfleischigen Blätter samt Fruchtkapsel mit den im letzten Herbst befruchteten Samen aus dem Boden und vermehrt sich, wenn sie nicht daran gehindert wird.
Im Sommer wird eine braunschuppige Sproßknolle gebildet (Durchmesser 2,5 bis 5 Zentimeter und einer Länge bis zu 7 Zentimeter. Die in einer Rosette stehenden, schmalen, länglich-lanzettlichen Laubblätter erscheinen zusammen mit dem Fruchtstand im Frühjahr und sind bis 40 Zentimeter lang.

Die sechs gleichgestaltigen, meist blaßrosa bis violett, selten weiß gefärbten Blütenhüllblätter sind zu einer langen Röhre verwachsen. Daraus wachsen sechs Staubblätter bis in den Blütenkelch. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, meist durch Bienen und Fliegen.
Die länglich-eiförmige Kapselfrucht ist im Reifezustand blasig geschwollen. In ihrem Innern befinden sich die kleinen, schwarzbraunen Samen mit einem weißen Elaiosom (ein fettreiches Anhängsel), was die Ausbreitung durch Ameisen sichert; aber auch der Wind ist bei der Ausbreitung hilfreich.

Kräutersammler müssen ganz genau hinschauen: Die Herbstzeitlose ähnelt im Frühjahr dem Bärlauch. Auch mit Maiglöckchen wird sie nicht selten verwechselt. Bärlauchblätter haben einen Stiel. Die Blätter der Herbstzeitlose wachsen dagegen ohne Stengel direkt aus einer Bodenrosette heraus. Maiglöckchen sind ein wenig später dran, außerdem bevorzugen sie andere Standorte. Letzte Sicherheit gibt der Schnuppertest: Weder die Herbstzeitlosen noch die ebenfalls giftigen Maiglöckchen riechen nach Lauch oder Knoblauch.


Heimische Pflanzen – Geheimnisvolle Namen und Kräuter

Der Schriftsteller Ulrich Völkel macht sich in seinem neuen Buch auf die Suche nach dem Ursprung heimischer Pflanzennamen und findet überraschende Erklärungen für ihre Herkunft und sprachliche Wandlung. Er erzählt von Legenden und Mythen, die sich um Vertreter der heimischen Flora ranken und er hat in der deutschen Literatur von den Minnesängern bis in die Gegenwart nach „blumigen” Zitaten gesucht. Zudem beschreibt Völkel zahlreiche Anwendungsgebiete der Pflanzen in der Heilkunst und ihre Verwendung in der heimischen Küche. Immer hat er einen wachen Blick für das Außergewöhnliche. Er nimmt den Leser mit auf seinen Spaziergängen quer durch die Botanik und er regt ihn an, eigene Erkundungen zu machen.


Alle Teile der Herbstzeitlosen enthalten das giftige Alkaloid Colchicin, ein Kapillar- und Mitosegift. Die imposante Mischung von über 20 Alkaloiden macht die Herbstzeitlose so gefährlich. Der höchste Gehalt findet sich in der Blüte.

Der Saft der Herbstzeitlose hilft in unverdünnter Form bei akutem Gichtanfall und dessen Schmerzen. Präparate der Herbstzeitlose dürfen nur genauso angewendet werden, wie vom Arzt verordnet.
Bei einer Vergiftung durch das Zellgift Colchicin treten meist erst mit zwei bis sechs Stunden Verzögerung ein. Die Symptome äußern sich zunächst in einem Brennen im Mund. Es folgen Schluckbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Koliken, begleitet von ausgeprägtem Durst; im weiteren Verlauf entstehen heftige Blutungen. Hinzu kommt starke Angst, Schwindel, Delirien, schließlich Herzstillstand.

Bei Vergiftungsverdacht ist unbedingt ärztliche Hilfe geraten, am besten über den Giftnotruf. Nachteilig ist die lange Zeit bis die Giftwirkung eintritt. Im Vordergrund steht die Basishilfe (Kreislaufaufunterstützung, Stabilisierung des Wasser-Elektrolyt-Haushaltes durch Tropfinfusion mit Vollelektrolytlösung).
In der Pflanzenzucht wird Colchicin zur Vergrößerung von Zuchtpflanzen verwendet, etwa bei Erdbeeren. Dabei unterbricht Colchicin die Zellteilung, so daß sich die DNA-Menge im Zellkern bei jeder unterbrochenen Teilung verdoppelt, wodurch jede einzelne Zelle weitaus größer wird.
Recht vielseitig sind die deutschen Trivialnamen für die Herbstzeitlose wie Giftkrokus, Butterwecken, Giftblume, Hahnenklöten, Henne, Hennegift, Hundsblume, Hundsknofel, Käsestäuber, Leichenblume, Michelsblume, Mönchskappen, Nacktarsch, Ochsenpinsel, Teufelswurz – aber auch diese freundlicheren Bezeichnungen: Wiesenlilie, Wiesensafran, Wildsafran, Wilde Zwiebel, Winterhauch.

Foto: pixabay.com

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