Vogelmiere – Wildgemüse für´s ganze Jahr

Die Vogelmiere ist das wohl am wenigsten beachtete Kräutlein mit einer der größten Bedeutungen für Ernährung und Gesundheit. Sie gehört zur Familie der Nelken, obwohl sie optisch keinerlei Ähnlichkeit aufweist. Wenn sie noch im Winter im Herbst frisch gegrabene Flächen wie ein Teppich bedeckt, wird ihr kriechendes Grün als Unkraut betrachtet und entfernt. Dabei ist sie eigentlich eine Labsal für den nackten Boden und verhindert die Bodenerosion als lebendige Mulchschicht.
Da die Vogelmiere stickstoffhaltigen Boden mit guter Bewässerung besonders liebt, kann man an der „Zeigerpflanze“ erkennen, ob ein Boden gut gedüngt bzw. fruchtbar ist.

Die Vogelmiere treibt sogar unter Schnee, und wenn der Schnee wegtaut, kann sie auch im Winter frisch geerntet werden.
Die Stengel werden bis zu 40 cm lang und liegen weitgehend flach am Boden. Dort, wo sie die Erde berühren, bilden sie kleine Zusatzwurzeln. Die zahlreichen Blätter der Vogelmiere sind klein und eiförmig mit einer Spitze.
Sie blüht von März bis Oktober mit weißen Blüten, die wie winzige Sterne aussehen. Die fünf weißen Kronblätter sind zweigeteilt, sodaß sie auf den ersten Blick wie jeweils zwei Blütenblätter erscheinen. Die Keimblätter und Laubblätter führen Schlafbewegungen aus und zeigen eine Tag-/Nachtstellung. Bei trockenem Wetter entfalten sich die zarten Blüten morgens um neun und blühen bis zum Abend. Bei feuchtem Wetter bleiben sie zusammengezogen.

Die Blüten sind kleine, weiße „Nektar führende Scheibenblumen“. Nektar wird am Grund der Staubblätter abgesondert, und zwar nur bei sonnigem Wetter. Insektenbesuch ist selten. Die zwittrigen Blüten können sich selbst bestäuben, indem sich die Staubblätter zur Narbe hin krümmen.
Nach der Blüte bilden sich Kapseln, in denen pro Pflanze im Jahr bis zu 15.000 Samen reifen. Die Samen sind eine beliebte Vogelspeise, wie auch das Kraut, das Geflügel sehr gerne frißt.

Die Fruchtkapseln verstreuen ihre Samen selbst. Ameisen helfen bei der Verbreitung, aber auch der Mensch beim Umgraben oder mit seinen Gartenschuhen. Auch eine vegetative Vermehrung durch abgerissene Stängelteile, die sich bewurzeln, ist möglich.
Die Haarlinie am Stängel ist ein typisches Erkennungsmerkmal und hilft der Wasserversorgung. Morgens laufen Tautropfen entlang dieser Linie zum nächstgelegenen Blattpaar, das bei Bedarf etwas Wasser aufnimmt, restliches Wasser aber über die Haarlinie weiterleitet.

Als sogenannter Archäophyt begleitet die Vogelmiere den Menschen seit der Steinzeit und kommt heute in den gemäßigten Breiten weltweit vor.


Superfood – Heimische Wildpflanzen

Superfoods sind in aller Munde, heimische Superfoods sind viel besser! Nämlich naturbelassen und unverfälscht im Geschmack. Und sie liegen im Trend – mit dem Potenzial zum Dauerbrenner! Wer bisher dachte, Superfoods kommen nur aus fernen Ländern, darf umdenken: Pflanzliche Powerpakete für Detox und Anti-Aging, Immunboosting und Wohlbefinden wachsen auch direkt vor unserer Haustür. Ob Bärlauch, Löwenzahn, Giersch, Rotklee, Hagebutte oder Schlehe – nicht alles, was wie Unkraut aussieht, ist auch welches. Und was in Garten, Wald oder Wiese gedeiht, kann zum optimalen Reifezeitpunkt geerntet und frisch gegessen werden. So können die pflanzlichen Vitalstoffe ihre optimale Wirkung entfalten.


In der Medizin findet die Vogelmiere für Waschungen, Umschläge oder als Badzugabe Verwendung. Vogelmieren-Tee hilft gegen Juckreiz und Ekzeme. Es gibt sogar Erfolge bei Schuppenflechte.

Auch schlecht heilende Wunden, Geschwüre und Abszesse können mit Vogelmieren-Umschlägen behandelt werden. Hierzu bieten sich auch Breiumschläge mit zerquetschtem frischem Kraut an.

Gerstenkörner sollen durch Baden (Augenbadewanne) oder Umschläge mit Vogelmierentee behandelt werden können.

Traditionell wurde Vogelmierensalbe schon im Mittelalter mit Schmalz zubereitet. Solche Salbe kann man gegen die zuvor genannten Hauterkrankungen einsetzen.

Aus den Blüten läßt sich auch eine Blütenessenz herstellen, die für Durchhaltevermögen, Hartnäckigkeit und Selbstvertrauen steht.

Besondere Bedeutung hat die Pflanze als ganzjähriges Wildgemüse, denn man kann aus dem frischen Kraut Salat, Kräuterquark und Suppe bereiten.
Dank ihrer Vitamine, Mineralien und der Saponine gibt sie neue Lebenskraft und hilft gegen vielerlei Mangelerscheinungen, auch Frühjahrsmüdigkeit. Sie wirkt harntreibend, regt den Stoffwechsel an und hilft bei Schlankheitskuren und gegen Stoffwechselerkrankungen wie Rheuma oder Gicht.

Ein besonderer Genuß ist Kräuterquark mit Vogelmiere. Er weckt die Lebensgeister und schmeckt wie junger Mais, was den Quark besonders lecker macht.
Nierenkranke allerdings sollten die Vogelmiere nur gering dosiert essen, weil die Saponine die Niere reizen können. Man mischt deshalb andere Kräuter dem Quark bei.

Für das Quarkrezept micht man (für 2 Personen) zwei Handvoll Vogelmiere mit 250 gr. Quark, 1 kl. Zwiebel, 2 Knoblauch-Zehen, etwas Milch oder Jogurt, 1 Teel. Senf und fertig ist eine leckere Beigabe zu frischen Pellkartoffeln. Hart gekochte Eier bereichern das Mahl.

foto: pixabay.com

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