Im Wald wie zuhause

Kurzer Bericht über eine Nacht im Wald unter dem Gesichtspunkt, daß jeder einmal in eine Situation kommen könnte,  mit einem Notfall-Rucksack seine Wohnung verlassen zu müssen. Als Jäger habe ich letzte Nacht im Wald auf dem Hochsitz von 21 Uhr bis morgens um 5:30 auf Wildschweine angesessen. Es war zwar kein Schwein zu sehen, aber dafür habe ich von 21:45 bis gegen 01:00 Uhr eine Rehfamilie beobachtet. Geiß, Bock und Kitz. Ich hätte den Bock erlegen können, aber der Anblick war ein so friedvolles Bild, daß ich das nicht tun wollte. Durchs Glas konnte ich verfolgen wie die Drei auf der Wiese gegenüber den Hochsitz geäst haben, der Bock die Geiß im überschießenden Testosteron getrieben hat, die Geiß behände ausgewichen ist und sich später im Gras ausgeruht hat.

Es hatte den Anschein einer Familie, obwohl ein Rehbock solitär lebt und sich nicht einem Familienverband anschließt. Der Bock hat sich für die Geiß nur im Testosteron-Fieber interessiert. Das Kitz dagegen bleibt bei der Mutter vom Setzen (im Mai) bis in den Winter. Es blieb nicht auf der Wiese, sondern ist irgendwann in der Hecke verschwunden. Der Bock hat sich nicht weit entfernt von der Geiß niedergetan – morgens etwa um eins – haben sich Bock und Geiß dann ebenfalls in die Hecke verzogen.

In einer Notlage hätte ich den Bock gewiss geschossen. Doch eigentlich ging es mir diesmal um eine Sau. Man muß mehrere Nächte im Wald verbringen, um bei einer Sau Waidmannsheil zu haben.  Dennoch gibt es viele schöne Erlebnisse im Wald. Etwa dem besten Mäusejäger vis á vis zu begegnen.

Es gibt aber auch am Tag allerhand zu entdecken. Man kann z.B. Kräuter bestimmen und zu Hause schon mal üben, was man damit alles anstellen kann und wie sie zubereitet werden.  Darüber berichte ich in Jagers Kräuterküche.


Draußen daheim
Nicht viele Jäger haben ihre Leidenschaft so intensiv in Beruf und Freizeit gelebt wie Joachim Eilts. Und nicht viele verstehen es wie er, ihre Erlebnisse auf zugleich packende und unterhaltsame Art zu schildern. Ob er von abwechslungsreichem Waidwerk in seiner nordfriesischen Heimat erzählt, von fesselnder Jagd im europäischen Ausland oder in Afrika – immer lässt Joachim Eilts den Leser mitfiebern und oft genug herzlich lachen. Dieser Klassiker darf im Regal eines Jägers nicht fehlen.


Auch biwakieren läßt sich erproben. Noch gehört der Wald allen, man darf zwar nicht frei campen, aber doch biwakieren. Nur beim Feuer machen sollte man höllisch aufpassen. Wir sind nicht in Wildwest. Das kann aber kommen, durch einen Aufruhr oder ein anderes Ereignis. Wer dann Erfahrungen sammeln konnte, ist im Vorteil.

Wenn es ganz still nachts ist, auch die Käuze längst schlafen, kann man jedes Rascheln hören und man würde jeden Schritt von weitem vernehmen. Doch es wird niemand kommen. Je tiefer der Wald ist, desto geborgener kann man sich fühlen.

Ich wünschte jedem, es einmal auszuprobieren. Und noch eins: Für einen Jagdschein braucht man – wenn es schnell gehen soll – rund 8 Wochen.

Beitragsfoto: pixabay.com

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