Invasoren der Tierwelt

Schon längere Zeit vor der Globalisierung kamen fremde Tiere und Pflanzen nach Europa und breiteten sich aus. Mit Milliardenprogrammen geht die EU dagegen vor. In den Medien regt man sich darüber auf. Warum meint welt.de: „Ausgerechnet jetzt“?

Laut EU-Verordnung gilt es 37 Arten von Tieren und Pflanzen auszurotten oder zumindest ihre Ausbreitung zu verhindern. Es gibt es Leute, die angesichts dieser Meldung zusammenzucken. Sie denken bei „Invasoren“ an Migranten und fragen: Muß das jetzt sein?

Mehr als 12 Milliarden Euro will die EU aufwenden, um zum Beispiel einen kleinen reh-artigen Hirsch zu eleminieren.

(Foto: pixabay.com)

Der Muntjak stammt aus Fernost und wurde aus Jagdgründen vor ungefähr 100 Jahren nach England gebracht. Inzwischen hat sich der Zwerghirsch in Wales und Englands Südwesten erfolgreich ausgebreitet und ist dabei Schottland zu erobern. Auch in Irland ist er inzwischen aufgetaucht. Die Tiere vermehren sich rund ums Jahr. Kitze werden bereits nach 36 Wochen geschlechtsreif.

So wie bei anderen invasiven Arten auch, sehen Wissenschaftler die Gefahr, dass eine kleine Anfangspopulation genügt, um eine neue „Heimat“ zu erobern.

Seit der Mensch begann, Verkehrswege anzulegen, Kanäle und Brücken zu bauen, reisten gleichzeitig wanderfreudige Organismen ungehindert mit.

Vor allem mit der Entdeckung Amerikas begann 1492 ein weltumspannender Seeverkehr. Später kamen Eisenbahnen und Flugzeuge hinzu. Über das globale Verkehrsnetz erreichen die Neuankömmlinge ihre Stationen schneller als gedacht und viele blinde Passagiere schleppt der Mensch rund um die Welt.

Pflanzen und Tiere, die vor der Entdeckung Amerikas in unsere Breiten kamen, werden als Archäozoen (Tiere) und Archäophyten (Pflanzen) bezeichnet. Beispiele wären der Feldhase und die Feldlerche.

Arten, die nach 1492 aus fremden Gebieten eingeschleppt wurden, heißen Neozoen (Tiere) und Neophyten (Pflanzen). Als Beispiel wären die Bisamratte, der Ochsenfrosch oder der Halsbandsittich zu nennen.

Die Zahl der Neozoen und Neophyten ist kaum noch zu überblicken. Wissenschaftler sehen in der wachsenden „Bio-Invasion“ eine große Gefahr für die Natur. In einer Zeit der Globalisierung, wo Verkehrswege und Handelsplätze eng miteinander vernetzt sind, lässt sich das zunehmende „Multikulti“ kaum verhindern.

Die unerwünschten pflanzlichen und tierischen Neubürger werden ab- oder aufgesammelt (wenn sie denn Kleinorganismen sind) oder die chemische Keule muß herhalten. Letzterem Prinzip können allerdings auch einheimische Lebewesen zum Opfer fallen – die es ja zu schützen gilt.


Irrfahrt Biodiversität
Arten sterben aus, Lebensräume verschwinden. Es ist unbestritten, dass wir mit einem Verlust an biologischer Vielfalt konfrontiert sind, der uns politisches Handeln nahelegt. Doch was ist genau unter biologischer Diversität oder kurz Biodiversität zu verstehen? Wie kann man sie messen? Welche Auswirkung hat der Biodiversitätsverlust auf die gesellschaftliche Wohlfahrt? Fragen, mit denen sich nicht nur Wissenschaftler schwer tun, sondern erst Recht die politisch Handelnden, die durch möglichst zielorientierte und begründete Entscheidungen einen effektiven Schutz und eine nachhaltige Nutzung von Biodiversität ermöglichen sollten.
Aufbauend auf einer qualitativen Analyse populärer theoretischer Konzepte zur Definition, Messung und Bewertung von Biodiversität, werden im ersten Teil des Buches einige Handlungsregeln abgeleitet, die als Grundlage rationaler Biodiversitätspolitik dienen können. Im zweiten Teil werden aktuell existierende Biodiversitätspolitiken auf Basis dieser Handlungsregeln einer kritischen Prüfung unterzogen. Die Autoren beziehen sich dabei nicht ausschließlich auf nationale Politiken, sondern erweitern ihren Fokus auf die europäische Ebene.
Durch die integrierende Arbeitsweise der Autoren, die sich sowohl vom ökologischen als auch vom ökonomischen Standpunkt der Biodiversitätsproblematik annähern, können die wesentlichen Uneindeutigkeiten herausgestellt werden, die es zu beseitigen gilt, um Politiken weg vom irrationalen Aktionismus, hin zu konsistentem, kollektivem Entscheiden zu lenken.


Viele Biologen vertreten die Ansicht, dass es künftig ohnehin nur noch wenige Arten geben wird, die über alle Flecken der Erde dominant auftreten werden. (Die Georgia Gidestones lassen grüßen!)

Besonders der Verlust von Tierarten hat ein Ausmaß erreicht, das einzigartig in der geologischen Geschichte ist. Dies mag manchen überraschen, denn viele nehmen an, dass das Massensterben der Dinosaurier ebenfalls einer dramatischen Entwicklung folgte. Dabei wird jedoch vergessen, dass sich das Aussterben der Dinosaurier über mehrere Millionen Jahre erstreckt hat, während derzeit in sehr viel kürzerer Zeit Arten von der Erde verschwinden. Alljährlich geht man von etwa 50.000 Tier- und Pflanzenarten aus, eine Aussterberate, die 100 bis 1.000 Mal höher liegt als in irgendeiner anderen Epoche der geologischen Geschichte unserer Erde. Die Hauptfaktoren für den Verlust von Arten lassen sich in vier Gruppen einteilen:

1. Ausbeutung der Natur, also die direkte Ausrottung einer Art, zum Beispiel durch Jagd und extensiven Fischfang;

2. Habitatverlust und -degeneration, das heißt die Zerstörung oder Schädigung der Lebensräume von Tieren;

3. Einführung fremder Tierarten, etwa durch Hobby-Tierhalter oder durch Warenlieferungen aus entfernten Regionen;

4. Aussterbekaskaden: Damit wird der Effekt bezeichnet, bei dem eine aussterbende Art zum Verlust weiterer Arten führt, da sie elementar wichtige Funktionen für den Erhalt der anderen Arten übernimmt, zum Beispiel als Nahrung dient.

Die entscheidenden Ursachen für den derzeitigen Verlust von Tierarten stellen die hohe Bevölkerungszahl und der Bevölkerungszuwachs der Menschen dar. Verantwortlich sind auch die Ausmaße der Landwirtschaft, der Industrie, des Tourismus und des internationalen Handels. (Bundeszentrale für politische Bildung)


Geraubte Ernte

Das, was die industrielle Ökonomie als ›Wachstum‹ bezeichnet, ist in Wahrheit eine Art von Diebstahl – Diebstahl an der Natur oder Diebstahl an den Menschen.´ Die weltbekannte indische Umweltaktivistin nimmt in diesem Buch klar Stellung zu den wesentlichen Fragen rund um die Themen Ernährung und Globalisierung, immer auch mit Blick auf die Situation der Frauen.Was geschieht, wenn rechtliche Regelungen den Bauern verbieten, unregistriertes Saatgut zu verwenden? Warum zerstören Patente auf Leben die traditionellen Nahrungssysteme und warum sind diese erhaltenswert? Welche Gefahren liegen in dem blinden Streben der industriellen Landwirtschaft nach kurzfristiger Mengenmaximierung? Gentechnisch verändertes, ´optimiertes´ Saatgut, mancherorts als Mittel zur Beseitigung des Welthungers gepriesen, ist keine Lösung: Die auf industrielle Produktion ausgerichteten Saatgutfirmen sehen an der Tatsache vorbei, dass die Mehrheit der Bauern nach wie vor kleine Landstücke bewirtschaftet und die Abhängigkeit von der Saatgutindustrie gerade für sie eine existenzielle Bedrohung ist. Gefährdet ist dadurch auch die Biodiversität, die Grundlage jeder zukunftsorientierten und nachhaltigen Ernährungspolitik. Ein engagiertes, leicht lesbares Buch zu einer hochaktuellen Thematik.


Als unausrottbar gilt der Waschbär. Jäger sind schon lange aufgerufen, diese artfremden Invasoren zu dezimieren.

Der Waschbär (Procyon lotor), auch als Nordamerikanischer Waschbär oder altertümlich als Schupp bezeichnet, ist ein in Nordamerika heimisches mittelgroßes Säugetier. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist er als Neozoon auch auf dem europäischen Festland, dem Kaukasus und Japan vertreten, nachdem er dort aus Gehegen entkommen war oder ausgesetzt wurde. (Wikipedia)

(Foto: pixabay.com)

Auch viele andere, als unausrottbar geltende Tiere, leben zu Tausenden frei in Deutschland. Nun dürfen sie in der EU nicht mehr privat oder in Zoos gehalten werden. Jäger dürfen sie über 9 Monate im Jahr – andere auch ganzjährig – bejagen. Die offene EU-Außengrenze sorgt jedoch für einen ständigen Ausgleich der Bestände.

Die Invasoren finden hier beste Lebensmöglichkeiten. Auch Nutria, Mink, Marderhund und Bisamratte werden sich weiter hierzulande ausbreiten und erhebliche Schäden und Kosten verursachen.

Biologische Invasionen
Bedrohung oder Bereicherung?
– Biologische Invasionen weltweit
– NEU: Ausführliches Neozoen-Kapitel
– Rechtliche Grundlagen
– Vorbeugung und Bekämpfung
Die Ausbreitung von Pflanzen und Tieren außerhalb ihrer natürlichen Herkunftsgebiete ist ein brisantes Naturschutzthema. Biologische Invasionen gelten weltweit als wesentlicher Gefährdungsfaktor der Biodiversität und verursachen Kosten in Milliardenhöhe. Das vorliegende Werk stellt dieses Phänomen umfassend dar und gibt einen aktuellen Überblick über Ursachen und Folgen der Ausbreitung neuer Arten in Mitteleuropa. Risiken und Chancen, offene Fragen und Handlungsperspektiven werden differenziert und anwendungsbezogen dargestellt.

Beitragsbild: pixabay.com

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