Bunte Integrationsgesellschaft

Die Lichtung am Moosbach ist ideal für Rehwild-Pirsch. Nur noch wenige Tage ist die Jagd auf Geißen und Schmalrehe offen. Nach dem verregneten Winter rauscht das Wasser wild über Wurzeln und Steine. Hinter meinem Tarnnetz verborgen blicke ich auf die Lichtung vor mir wie ein ausgebreitetes Tuch. Der Moosbach schützt mich mit seiner Geräuschkulisse vor den empfindlichen Lauschern der Rehe. Ein Jäger schaut nicht auf die Uhr, auch das Wild hält sich nicht an feste Zeiten – besonders hier am Moosbach.

Wie sind wir doch mit feuchtem Nass gesegnet. In der Zeitung stand, dass der Wasserverbrauch im Asylantenheims exorbitant hoch sei. Was leicht zu verstehen ist, wenn die in unsere wasserreiche Weltgegend vorgestoßenen Wüstensöhne und Savannenbrüder die schier unbegrenzte Verfügbarkeit des bei ihnen seltenen Gutes in helles Entzücken geraten lässt. Zumal es sie ja nichts kostet – und geben wir es doch zu: Wer von uns würden mit dem Wasser nicht aasen, wenn es gratis wäre?

Und schon schweife ich zu der Frage ab, ob im „ganz normalen Alltag“ unserer „bunten „Integrationsgesellschaft“, in der Menschen verschiedener Hautfarbe und Herkunft in gegenseitigem Respekt friedlich miteinander leben auch alle brav ihren Müll trennen? Sortieren sie die Flaschen in die Container für grünes, braunes und weißes Glas, stopfen sie Plastikverpackungen in die gelben Säcke? Benutzen sie die Biotonne – und nicht die Toilette als Mülleimer? Nehmen sie vorwiegend einheimische und fair gehandelte Produkte zu sich? Sparen sie Heizkosten und Strom? Verzichten sie auf übermäßigen Fleischkonsum? Träumen sie davon, niemals ein Auto zu besitzen und zeitlebens auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen? Ich bin versucht, endlos weiter zu fragen, wenn nicht dort hinten aus der Brombeerhecke zwei Lauscher auftauchen würden.

Ich greife zum Glas. Jetzt sehe ich auch das Gehörn. Ein Prachtexemplar von Sechser Bock. Schade. Ab Mitte Januar sind Böcke nicht mehr frei. Das Jagdgesetz legt strenge Regeln auf.

Bis zur Dunkelheit kommt heute kein Stück Rehwild mehr. Aber der Moosbach rauscht, und der Pirol singt prächtig.

Beitragsbild: pixabay.com

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